Operatives Geschäft trotz Corona mit soliden Ergebnissen / Umsatz fast auf Vorjahresniveau bei 1,95 Milliarden Euro / Jahresergebnis (EBIT) durch einmalige Sondereffekte bei -23,6 Millionen Euro / Investitionen stabil bei knapp 69 Millionen Euro / Ausblick: Guter Start ins Geschäftsjahr 2021

Das Geschäft von TÜV Rheinland hat sich im Jahr 2020 stabil entwickelt. Trotz der Corona-Pandemie erreichte der international tätige Prüfdienstleister einen Umsatz von 1,953 Milliarden Euro (2019: 2,085 Milliarden Euro). Das entspricht einem Rückgang um 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bedingt durch einmalige Sondereffekte, die in der Bilanz für 2020 berücksichtigt wurden, ging das Ergebnis (EBIT) deutlich auf -23,6 Millionen Euro zurück (Vorjahr: 135,6 Millionen Euro). Ohne die Sondereffekte lag das Ergebnis (bereinigtes EBIT) für 2020 bei 133,6 Millionen Euro. Leicht gesunken ist die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit: Sie erreichte im Jahresdurchschnitt 2020 genau 20.657 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – umgerechnet auf Vollzeitstellen. Das sind 784 oder 3,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Investitionsvolumen lag stabil bei rund 69 Millionen Euro. „Insgesamt sind wir bisher gut durch die Corona-Krise gekommen. Unser Geschäftsmodell hat sich in der Krise bewährt“, sagt Dr.-Ing. Michael Fübi, der Vorsitzende des Vorstands der TÜV Rheinland AG.

Weltweit führten Corona-Maßnahmen dazu, dass TÜV Rheinland seine Geschäftstätigkeit 2020 zumindest teilweise einschränken musste. Das wirkte sich insbesondere im Geschäft mit Aus- und Weiterbildungen sowie mit Hauptuntersuchungen bei Fahrzeugen aus. Regional betrachtet hatten die Corona-Maßnahmen in Deutschland, Nord- und Südamerika sowie Indien, Naher Osten und Afrika (IMEA) etwas stärkere Auswirkungen auf das Geschäft von TÜV Rheinland, während die Region Greater China ein leichtes Umsatzwachstum verzeichnete.

Sondereffekte durch bilanzielle Rückstellungen

Sondereffekte im Geschäftsjahr 2020 führten zu einem negativen Ergebnis (EBIT) von -23,6 Millionen Euro. Wesentlich hierfür waren vor allem Rückstellungen für Schadensersatzforderungen im Zusammenhang mit dem Betrug des französischen Herstellers von Brustimplantaten PIP. Dazu Michael Fübi: „Für die Schäden, die PIP durch seinen Betrug und die Fälschung von Brustimplantaten verursacht hat, tragen wir keine Verantwortung. TÜV Rheinland hat die Implantate niemals geprüft, sondern das Qualitätsmanagementsystem zertifiziert. Wie viele andere gehören wir zu den Betrogenen. Das haben mehr als zweihundert Gerichte mittlerweile bestätigt. Nur zwei Gerichte in Frankreich sehen das anders. Wir werden weiter um eine Beurteilung des PIP-Betrugs kämpfen, die den Fakten entspricht. Davon unabhängig kommen wir unserer bilanziellen Verantwortung selbstverständlich nach und berücksichtigen Risiken beim Jahresergebnis.“ Darüber hinaus wurden für das Geschäftsjahr 2020 Personal- und Restrukturierungsmaßnahmen bilanziert. Hintergrund sind Einsparprogramme, mit denen das Unternehmen die Sach- und Personalkosten dauerhaft im mittleren zweistelligen Millionenbereich senken und so seine Wettbewerbsfähigkeit steigern will.

Erfolgreiches operatives Geschäft

Mit seinem operativen Geschäft erzielte TÜV Rheinland 2020 solide Ergebnisse. So betrug das um Sondereinflüsse bereinigte EBIT 133,6 Millionen Euro (bereinigtes EBIT 2019: 150,7 Millionen Euro), die bereinigte EBIT-Rendite lag mit 6,8 Prozent nur leicht unter dem Vorjahresniveau (7,2 Prozent). „Insgesamt zeigen die Ergebnisse für 2020: Das Geschäft von TÜV Rheinland mit Dienstleistungen für mehr Qualität und Sicherheit ist gesund und erfolgreich. Wir halten auch für die folgenden Jahre an unserer Strategie des weiteren, vorwiegend organischen Wachstums fest“, unterstreicht Michael Fübi.

Verantwortung in der Pandemie wahrnehmen

TÜV Rheinland sieht sich in der Verantwortung, durch seine Dienstleistungen zur Bewältigung der Corona-Pandemie beizutragen. Das Unternehmen hat Labor- und Prüfkapazitäten und technisches Know-how bei Zertifizierungen und Tests im Berichtsjahr ausgeschöpft und Kapazitäten in den Dienst der Pandemiebekämpfung gestellt. So investierte das Unternehmen schon kurz nach Beginn der Pandemie in den Ausbau von Laborkapazitäten zur Prüfung und Zertifizierung von medizinischen Gesichtsmasken und Atemschutzmasken. Die Fachleute des Unternehmens entwickelten zudem Hygienestandards für den Gaststätten-, Hotellerie- und Tourismusbereich und unterstützen Betriebe dabei, ihre Arbeitsschutzmaßnahmen an die neuen Herausforderungen anzupassen. Hinzu kommen beispielsweise Prüfungen von Beatmungsgeräten und Lüftungsanlagen sowie der branchenweit erste Standard für Aerosolfilterung in Fahrzeugen. Michael Fübi: „Das vergangene Jahr hat die Notwendigkeit nachhaltigen Wirtschaftens besonders deutlich gemacht. Herausforderungen wie die Corona-Pandemie und die Klimakrise lassen sich nur in einem verantwortungsbewussten Zusammenspiel von Mensch, Technik und Umwelt bewältigen. Wir richten unser Geschäft an den Prinzipien des UN Global Compact sowie den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen aus. Mit einer neuen Nachhaltigkeitsstrategie werden wir unser ökologisches und soziales Engagement forcieren.“

Arbeitsschutz und Corona

Um die Gesundheit seiner Mitarbeitenden zu schützen, hat TÜV Rheinland seit Beginn der Corona-Pandemie umfassende Schutzmaßnahmen erfolgreich umgesetzt. Seit Februar 2020 sind in allen Regionen und auf Konzernebene Corona-Krisenteams tätig, um Hygienemaßnahmen umzusetzen und intern Mitarbeitende zu informieren. In Deutschland forderte TÜV Rheinland bereits im März 2020 dazu auf, von zu Hause aus zu arbeiten, wo immer dies möglich ist. Aktuell sind allein am Standort von TÜV Rheinland in Köln-Poll rund 70 Prozent der rund 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Homeoffice tätig. Zudem hat TÜV Rheinland klare Regeln für Kontaktverfolgung sowie für Dienstreisen – sofern diese unumgänglich sind – geschaffen. Insgesamt hat TÜV Rheinland seit Beginn der Pandemie nur sehr wenige Infektionen im Arbeitsumfeld festgestellt. „Wir müssen Regeln nicht nur aufstellen, sondern auch einhalten. Das ist uns hervorragend gelungen, weil unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich hierfür eingesetzt haben“, sagt Michael Fübi.

TÜV Rheinland hat sich aktuell auf Impfungen auch für die eigenen Beschäftigten vorbereitet. Das Unternehmen verfügt mit seinem Arbeitsmedizinischen Dienst und den fast 180 bundesweit tätigen Betriebsärztinnen und -ärzten über eine sehr breite Erfahrung und Kompetenz rund um die Durchführung von Impfungen. „Diese Kompetenz wollen wir nutzen, um die Gesundheit unserer Beschäftigten in dieser wichtigen Phase der Pandemiebekämpfung aktiv zu schützen, sobald Impfstoff hierfür vorhanden ist“, betont Michael Fübi.

Entwicklung in Deutschland und international

Der deutsche Markt machte 2020 einen Umsatzanteil von 53,1 Prozent am Gesamtumsatz von TÜV Rheinland aus, die anderen Regionen steuerten entsprechend 46,9 Prozent bei. Der Umsatz in Deutschland ging um 76,4 Millionen Euro zurück und lag 2020 bei 1,037 Milliarden Euro. Außerhalb Deutschlands erreichte der Umsatz 917 Millionen Euro im Vergleich zu 972 Millionen Euro im Jahr 2019. Den größten Anteil des internationalen Geschäfts macht unverändert die Region Greater China aus, die 18,2 Prozent zum Gesamtumsatz des Konzerns beisteuert. Ebenso wie die Region Westeuropa konnte Greater China trotz der Corona-Pandemie ein leichtes Umsatzwachstum verzeichnen. Deutlich zurück ging der Umsatz in der Region Südamerika.

Auch bei Mitarbeitenden spiegelt sich die Internationalität des Unternehmens wider: 2020 waren 57,7 Prozent der 20.657 Beschäftigten außerhalb Deutschlands tätig. In Deutschland hatte TÜV Rheinland 2020 im Jahresdurchschnitt umgerechnet auf Vollzeitstellen 8.745 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 337 weniger als im Vorjahr. Außerhalb Deutschlands sank die Anzahl der Mitarbeitenden im Jahresdurchschnitt um 447.

Entwicklung der Geschäftsbereiche

TÜV Rheinland hat sein weltweites Prüf- und Zertifizierungsgeschäft in fünf Geschäftsbereichen organisiert. Das Industrieprüfgeschäft, Produktprüfung sowie die Leistungen rund um Mobilität machen rund 75 Prozent des gesamten Geschäfts von TÜV Rheinland aus.

Den größten Beitrag zum Gesamtumsatz von TÜV Rheinland lieferte 2020 der Geschäftsbereich der Produktprüfung. Hier betrug der Umsatz 557 Millionen Euro – ein leichter Umsatzrückgang von 2,3 Prozent oder rund 13 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Die stabile Entwicklung geht unter anderem auf die erneut sehr gute Umsatzentwicklung in China und der Region Asien-Pazifik zurück.

Die Umsatzentwicklung im Geschäftsbereich Mobilität war stark von der Corona-Pandemie geprägt. Dennoch erreichte der Geschäftsbereich mit einem Umsatz von 554 Millionen Euro in etwa das Niveau des Vorjahres (2019: 558,9 Millionen Euro). Das war im Wesentlichen auf die Übernahme des Unternehmens Certio in Spanien zurückzuführen, mit der TÜV Rheinland im Sommer 2019 das Netz an Fahrzeugprüfstellen deutlich erweitert hat. Durch nationale Lockdowns in Spanien, Frankreich und Chile wurde das Geschäft mit Hauptuntersuchungen 2020 teilweise vollständig heruntergefahren. In Deutschland konnten Corona-bedingte Ausfälle bei Führerscheinprüfungen durch besonderes Engagement von Mitarbeitenden zum Großteil wieder aufgeholt werden.

Der Geschäftsbereich Industrie Service & Cybersecurity erzielte 2020 einen Umsatz von 538,1 Millionen Euro. Der deutliche Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr (-9,9 %) war stark von der Pandemie und zurückhaltenden Investitionen im internationalen Öl- und Gasgeschäft beeinflusst. Zudem verkaufte TÜV Rheinland zwei Gesellschaften. Andererseits konnten Großaufträge wie etwa Prüfungen am Berliner Flughafen BER erfolgreich abgeschlossen werden.

Auf den Geschäftsbereich Academy & Life Care wirkten sich Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stark aus. Betroffen davon war insbesondere das Geschäft mit Aus- und Weiterbildungen. Trotz umfangreicher und kurzfristig ausgeweiteter Angebote für digitales Lernen ging der Umsatz hier um 23,3 Prozent auf 228,8 Millionen Euro zurück. Eine erhöhte Nachfrage verzeichnete hingegen das Geschäft rund um betriebliches Gesundheitsmanagement, da Unternehmen zusätzliche Beratung zur Planung und Umsetzung von Arbeitsschutzstandards benötigten.

Moderat war der Umsatzrückgang im Geschäftsbereich Systeme mit der Zertifizierung von Managementsystemen um 3,1 Prozent auf 214,3 Millionen Euro. Die neuen Anforderungen durch die Corona-Pandemie wurden sehr schnell umgesetzt. Beispielsweise führten die Auditorinnen und Auditoren von TÜV Rheinland rund 11.000 sogenannte „Remote Audits“ zu Managementsystemen wie der ISO 9001 durch. Ein deutliches Wachstum verzeichneten das sogenannte Pre-Shipment-Inspektionsgeschäft sowie Konformitätsprüfungen für die Märkte Indonesien, Marokko und Saudi-Arabien.

Finanzlage und Investitionen

Das Eigenkapital von TÜV Rheinland verringerte sich 2020 um 132,5 Millionen Euro von 417,5 Millionen Euro auf 285 Millionen Euro. Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit betrug 2020 – nach 194,2 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2019 – 223,2 Millionen Euro.

Die Investitionen lagen 2020 bei 68,8 Millionen Euro und damit nahezu konstant im Vergleich zum Vorjahr. Schwerpunkte der Investitionen waren erneut verschiedene Software- und Digitalisierungsprojekte, der Ausbau von Prüfkapazitäten sowie der Ausbau und die Modernisierung von Prüflaboren. Mehr als 13 Millionen Euro investierte TÜV Rheinland in ein Prüflabor zur elektromagnetischen Verträglichkeit in Japan sowie in die weltweite Ausstattung der Fahrzeugprüfstellen. Zudem stieg TÜV Rheinland im Oktober 2020 in die Prüfung von Antriebsbatterien für Fahrzeuge ein. Gemeinsam mit dem jungen Aachener Unternehmen ConAC wird derzeit eines der europaweit größten und modernsten Testzentren für Antriebsbatterien errichtet.

Ausblick

2021 will TÜV Rheinland in vergleichbarer Höhe in das eigene Geschäft investieren, insbesondere in IT- und Prüfinfrastruktur. „Damit sichern wir die Zukunftsfähigkeit von TÜV Rheinland in einer Welt rapider Veränderungen“, so Michael Fübi.

Für TÜV Rheinland war 2020 ein Jahr, das die zunehmende Bedeutung von Digitalisierung in allen Arbeits- und Lebensbereichen sehr klar gemacht hat. Das Prüfunternehmen hat bei der Digitalisierung seiner Dienstleistungen und Prozesse große Fortschritte erzielt. Remote Audits zur Prüfung von Managementsystemen, Fahrzeuggutachten per Smartphone-Unterstützung, digitalisierte Weiterbildungsangebote oder eine „Hackbox“ zur Fernprüfung von Cybersecurity in Unternehmen sind nur einige Beispiele hierfür. Michael Fübi: „Die viel zitierte Beschleunigung von Entwicklungen durch Corona ist für uns beim Thema Digitalisierung besonders deutlich geworden. Das, was wir erreicht haben, wird uns dauerhaft wettbewerbsfähiger machen.“

Angesichts der guten Geschäftsentwicklung im ersten Quartal 2021, einer anziehenden Wirtschaft in vielen Weltregionen und erster Erfolge der Maßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit ist TÜV Rheinland zuversichtlich, dass das Geschäftsjahr 2021 sich positiv entwickeln wird. Michael Fübi: „Im kommenden Jahr feiert unser Unternehmen sein 150jähriges Jubiläum. Unsere Grundidee von 1872 ist zeitlos: den technischen Fortschritt durch Prüfungen für mehr Sicherheit zukunftsfähig zu machen. Auch künftig werden wir mit unserer Mission erfolgreich sein und zu mehr Sicherheit und Qualität für die Menschen und die Gesellschaft, die Umwelt und die Wirtschaft beitragen.“

Downloads

PDF

Pressemeldung als PDF
Download

PDF

Daten und Fakten 2021
Download
Foto
Foto als JPG
Download

Ihre Ansprechpartnerin für redaktionelle Fragen:

Ulrike Rabanus TÜV Rheinland

Ulrike Rabanus

Global Officer Marketing & Communications | Konzernsprecherin | Leitung Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Ulrike Rabanus kontaktieren

Sie haben Fragen zum Thema oder benötigen weitere Informationen? Kontaktieren Sie uns: